
Über Bargeld kursieren ein paar Sätze, die fast jeder schon gehört hat, meist als Begründung, warum es ruhig verschwinden könne. Die sieben häufigsten halten einer nüchternen Prüfung nicht stand.
Mythos 1: Bargeld ist unsicher.
Wer Bargeld verliert, verliert es wirklich, das stimmt. Aber ein gestohlener Geldbeutel trifft einen Menschen, an einem Ort, mit dem Betrag, der drin war. Digitaler Diebstahl funktioniert anders, aus der Ferne und in der Masse. Im gemeinsamen Bericht von EZB und EBA summierte sich der Zahlungsbetrug 2024 auf rund 4,2 Milliarden Euro, und von den betrügerischen Kartenzahlungen liefen 83 Prozent aus der Ferne über Internet, Mail oder Telefon. Das Risiko beim Schein ist klein und überschaubar. Das beim Konto ist selten, aber wenn es eintritt, selten klein.
Mythos 2: Bargeld hift Verbrechern.
Ja, auch Kriminelle benutzen Bargeld, so wie sie Autos und Telefone benutzen. Entscheidend ist die Größenordnung. Wer Millionen bewegen will, kommt mit Scheinen nicht weit, sie sind schwer, auffällig und langsam. Organisierte Kriminalität läuft längst über Überweisungen, Briefkastenfirmen und digitale Kanäle. Ein Bargeldverbot träfe vor allem die ehrliche Mehrheit, die damit ganz legal ihren Alltag bezahlt.
Mythos 3: Bargeld fördert Steuerbetrug.
Etwas Schwarzarbeit gegen Bargeld gibt es, das lässt sich nicht wegreden. Nur entsteht der weitaus größere Teil entgangener Steuern nicht an der Ladenkasse, sondern in komplexen, grenzüberschreitenden Konstruktionen, die ohne einen einzigen Geldschein auskommen. Das Portemonnaie im Alltag ist nicht das Leck im System. Ein Bargeldverbot schließt das kleinste Loch und lässt die größten offen.
Mythos 4: Bargeld ist unhygienisch.
Geldscheine wandern durch viele Hände, das stimmt. Eine Studie der EZB mit der Ruhr-Universität Bochum hat genau das geprüft und kam zu dem Ergebnis, dass das Übertragungsrisiko über Banknoten und Münzen sehr niedrig und Bargeld sicher nutzbar ist. Im Alltag berührst du Bezahlterminal, Türklinke und dein eigenes Telefon ohnehin mindestens so oft. Saubere Hände helfen gegen alles davon, ein bargeldloser Geldbeutel gegen nichts.
Mythos 5: Bargeld dient der Geldwäsche.
Kleine Summen lassen sich bar verschleiern, keine Frage. Doch um wirklich große Beträge zu waschen, müssen sie zurück ins Finanzsystem, über Konten, Firmen, Immobilien, digitale Überweisungen. Genau dort, nicht im Schein selbst, findet die Wäsche im großen Stil statt. Ein Koffer voller Geld ist dafür zu langsam und zu sichtbar.
Mythos 6: Bargeld ist teuer.
Bargeld zu transportieren und zu zählen kostet etwas, das ist wahr. Nur verschwinden diese Kosten mit der Karte nicht, sie verschieben sich und werden dauerhaft. Jede digitale Zahlung trägt eine Gebühr, die der Händler zahlt und die am Ende im Preis steht, bei jedem Einkauf aufs Neue. Für dich an der Kasse ist der Schein kostenlos. Die Karte ist es nie ganz.
Mythos 7: Bargeld kann gefälscht werden.
Falschgeld gibt es, das ist richtig. Nur ist es selten. Nach Zahlen der Bundesbank entfielen 2025 rechnerisch acht falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner, und ein großer Teil davon war schon beim Anfassen leicht zu erkennen. Jeder Schein trägt Merkmale, die sich in Sekunden prüfen lassen, nach dem Prinzip Fühlen, Sehen, Kippen. Digitaler Betrug dagegen fällt oft erst Wochen später auf dem Kontoauszug auf, wenn der Schaden längst da ist.
Keiner dieser sieben Sätze hält, wenn man ihn ruhig zu Ende denkt.
Bargeld ist greifbar, vertraulich und von keinem System abhängig. Was an der Kasse nach bloßer Gewohnheit aussieht, ist in Wahrheit eine Entscheidung, und du triffst sie jeden Tag.
Zahle bar. Sprich darüber. Bargeld hält der Prüfung stand.